Ich hatte mich über das Karriereportal für eine Stelle in Penzberg beworben. Von Bewerbung bis zum ersten Feedback vergingen etwas weniger als 3 Wochen.
Zunächst hatte ich ein Gespräch mit dem potentiellen fachlichen und der disziplinarischen Vorgesetzen. Das Interview mit den Beiden fand auf Englisch statt, wegen Covid natürlich online. Das Gespräch war sehr angenehm und natürlich. Sie haben von Anfang an darauf geachtet, dass ich mich wohlfühle und ein Gespräch auf Augenhöhe stattfindet. Es ging vor allem um meine Persönlichkeit (Teamfähigkeit, persönliche Einstellung...) , und ein kurzer Sanity Check meiner fachlichen Kenntnisse. Einfache Fragen, die jeder Ingenieur beantworten kann. (Haben sie schon ein mal mit RS232 gearbeitet? o.Ä.). Nach 45 Minuten war das Gespräch vorbei.
Zwei Wochen nach dem Gespräch wurde ich zur zweiten Runde eingeladen. Dabei wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass alle übrigen Bewerber am selben Tag interviewt werden, um dem Unternehmen Zeit zu sparen und deswegen die Gespräche in ungewohnter Reihenfolge sein könnten. Das erste Gespräch war mit HR (1h - Deutsch), das zweite mit dem Team (0,5h - Deutsch) und das dritte mit der Management-Ebene (1,5 h - Englisch). Alle per Teams. Für letzteres sollte ich eine zwanzigminütige Präsentation über mich und meine Erfahrungen vorbereiten und mich auf weitere zehn Minuten Fragen dazu einstellen.
Das Gespräch mit HR war sehr nett, hier wurde wieder vor allem auf meine Persönlichkeit, meine Ziele und die Arbeitsumgebung, die ich benötigen würde, geachtet. Das zweite interview war mit dem Team, wo man gleich auf einer Vertrauten Ebene war, sich geduzt hat und ich einen Einblick in meine Tätigkeit bekommen konnte. Hier habe ich aber auch zum ersten mal im Prozess gemerkt, dass die Tätigkeit nicht so gut auf mein Profil passt, wie ich aus der Jobbeschreibung entnommen hatte. Somit war mein Interesse am Job nicht mehr so groß und ich sah auch meine Chancen schwinden, dass ich für die Stelle ausgewählt würde. Das ist selbstverständlich nicht dem Unternehmen anzulasten. Bis dahin war meine Erfahrung mit Roche sehr positiv gewesen, der darauffolgende Umgang war dann aber genug, um den Eindruck ins negative zu verkehren. Als Bewerber investiert man viel Zeit und Akribie in eine Präsentation. Dann im Gespräch auf eine Gruppe zu treffen, die (vermutlich aufgrund der Entscheidung alle Bewerber an einem Tag zu hören) schon komplett in den Seilen hing und der Präsentation nicht aufmerksam folgen konnte und respektive kaum treffende Fragen darauf zu zustellen wusste, empfinde ich als respektlos gegenüber meiner Zeit. Dabei beziehe ich mit ein, dass mein Profil nicht wirklich passend war. Genauso dümpelte der Rest des Gesprächs vor sich hin. Im Prinzip ging es in diesem Interview sehr spezifisch um meine fachliche Eignung für die Stelle. Ich hatte den Eindruck, dass die Interviewer nicht mal mehr den Fragen ihrer Vorredner zuhörten. Aber auch dafür konnte ich ein gewisses Verständnis aufbringen. Vier Monate später hatte ich immer noch kein Feedback erhalten. Ich wollte dann, wie es eigentlich selbstverständlich ist, mitteilen, dass ich nicht weiter an der Stelle interessiert bin, da ich bereits bei einem anderen Unternehmen unterschrieben habe, um dann festzustellen, dass meine Bewerbung im Bewerberportal stillschweigend als abgelehnt markiert wurde. Dazu wurde mir noch nicht mal eine Standardabsage per Mail zugeschickt. Des weiteren bin ich der Meinung, dass man einem Bewerber, von dem man eine Präsentation und derartige Vorbereitungen verlangt hat, ein Feedback schuldig ist, das über die Standardabsage hinaus geht. Für mich weckt dass den Eindruck, dass genau so lange ein freundliches Bild von Unternehmen aufrechterhalten wurde, während ich als Mitarbeiter infrage kam. Ich hatte besseres von Roche erwartet.